Servus Bayernfans!
Es ist so eine Sache mit der Statistik. 1:82 zum Start des Wettbewerbs. Nun noch 1:4, um am Ende den Pokal hochzuhalten. Und 1:2, um morgen Abend vor Glückseligkeit kaum schlafen zu können. Die Wahrscheinlichkeit, für dieses Spiel Karten bekommen zu haben, oft gering – für viele auch hier ein Wechselbad der Gefühle. Es geht um nicht weniger als dieses eine Spiel, das ganz Fußballdeutschland und vielleicht auch ganz Fußballeuropa am Schluss beschäftigt. Morgen Abend, 21:00 Uhr: die Hymne, die Schals.
Seit Tagen kann man wilde Aufrufe lesen, wer ins Stadion zu kommen hat, wer daheimbleiben sollte und wer am Schluss welchen Teil dazu beitragen könnte, dass man das Glück auf seine Seite zieht. Man merkt, dass in den letzten Jahren eine große Sehnsucht entstanden ist, solche Abende zu erleben. Und dass jeder für sich zu Hause oder bei der Arbeit bereits überlegt, welches (natürlich rote) Trikot man nun anzieht. Am besten das, das bei der Meisterschaft 2023 in Köln damals getragen wurde. Oder das aus den Madrid-Spielen. Wo ist wohl die Siegeswahrscheinlichkeit höher? Bringt das Trikot aus Paris Unglück? Persönliche Abwägungen.
Was hinter all diesen Gedanken letztlich steht, sind Emotionen: Hoffnung. Nervosität. Vorfreude. Für viele kommt kurz nach dem Einzug ins diesjährige Pokalfinale ein neuer, erstmaliger Gedanke an ein mögliches Europapokalfinale. Nach mittlerweile 13 Jahren (2020 ohne Fans zählt für uns hier nicht) ist es eine Mischung aus Erzählungen derer, die dabei waren, und vielen „Rooooooobbeeeeeeeen“-Videos, in denen man sieht, wie der Ball nahezu in Zeitlupe neben Roman Weidenfeller ins Tor rutscht. 89. Minute. Ekstase. Tränen. Die größten Europas. Das Triple.
Wir werden nicht die Einzigen sein, die in diesen Tagen solche Sequenzen anschauen und davon träumen, wie es wohl wäre, mit seinem Freundeskreis (noch einmal) solch einen Moment im Stadion zu erleben. Einen Moment, der alle für die Ewigkeit zusammenschweißt und bis ans Ende des Lebens bleibt. Bei dem sich sofort eine leichte Gänsehaut bildet und die Augen feucht werden.
Aber zurück ins Heute. Alle in Rot also. Alle 90 Minuten stehen. Diese Aufrufe, wie wir sie als Kurve machen, wie wir sie hier oft schon hatten und wie sie aktuell das Internet fluten, sind gut. Sie sollen mobilisieren und emotionalisieren. Als die Gegentore in Paris fielen, konnte man jedoch sehen, worin sich die Kurve unterscheidet: in die, die unaufhaltsam weiterbrüllten und daran glaubten – wohlwissend, welcher Irrsinn in den Wochen zuvor stattfand – und in die, die still dastanden, teilweise schon Minuten vor den Toren. Ein nicht zu kleiner Prozentsatz, der es nicht wichtig genug fand, wenigstens zu klatschen. Für ein Europapokal-Halbfinale überraschend, für viele nicht verständlich. Und am Schluss kommt die Erkenntnis, dass es Leute gibt, für die das Gewinnen solcher Spiele mehr ist als Fußball. Der FC Bayern an sich und diese Spiele im Speziellen sind der Grund, warum sie nachts wach sind und Dinge organisieren, planen, umsetzen. Bei denen zwischenmenschliche Beziehungen in solchen Wochen zurückstehen (müssen), bei denen die Effizienz bei der Arbeit gegen null geht.
Also ja: Steht morgen 90 Minuten – und am besten schon weit zuvor. Kommt früh, kommt in Rot und nehmt diese besondere Stimmung auf. Und seid euch auch bewusst darüber, dass mit Paris ein deutlich lautstärkerer Gegner im Oberrang sein wird, als es bei Madrid der Fall war. Es sind also alle gefragt – jeder, soweit er stehen kann, so laut er kann. Aber einfach nichts zu machen, das ist dieses Mal keine Option. Und das darf auch jedem/ jeder neben sich freundlich mitgeteilt werden. Unsere Spieler, die diese Saison Spiel für Spiel bis zum letzten Moment gekämpft haben, haben nichts weniger als genau das verdient: dass sich die Leute auf den Rängen genauso den Arsch aufreißen! Egal, ob seit 20 Jahren eine Jahreskarte in der Südkurve, ob businessmäßig eingeladen auf der Haupttribüne im Unterrang oder nur als zufälliges „+1“ im Mittelrang der Gegengerade: Wer am Donnerstagmorgen erzählt, dass er im Stadion war, der sollte sagen können, dass er alles getan hat, um diesen Abend gelingen zu lassen. Hört auf die Kurve, stimmt in die Gesänge ein und setzt ein Zeichen, wer das Heimspiel hat – und wer in drei Wochen in Budapest spielen wird! Niemand sagt, dass es einfach sein wird. Dass es nicht Momente geben könnte, in denen es einfacher ist zu schweigen, weil die Wahrscheinlichkeit, das Spiel zu gewinnen, abnimmt. Aber genau an diesem Punkt: Glaubt daran!
Gebt diesen Glauben an die Elf auf dem Platz weiter. Als die Spieler beim 4:3 gegen Madrid 20 Sekunden vor dem Ende in die Kurve liefen, wurde diese Einheit aus Mannschaft und Kurve einmal mehr beschworen: Ihr für uns, wir für euch – egal, was kommt.
Wir sehen uns morgen,
euer Club Nr. 12